Herzlich willkommen

Foto: H.Rohdenburg Foto: H.Rohdenburg

Am Anfang des Jahres 2012 grüße ich Sie zusammen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Kirchlichen Dienstes in Polizei und Zoll sehr herzlich und wünschen Ihnen Gottes Segen für die kommende Zeit.

Ich möchte diesen Segenswunsch mit der Jahreslosung 2012 entfalten:

 

Jesus Christus spricht: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.

(aus dem 2. Korintherbrief des Apostels Paulus im 12. Kapitel)

 

Dazu diese Gedanken:

Ist in unserer Gesellschaft „Schwachheit“ nicht eher ein Makel als etwas, was zu Macht und Wirksamkeit befähigt? Eine „schwache“ Leistung in Schule, Beruf oder Sport ist nicht erstrebenswert, ähnlich wie eine „schwache“ Gesundheit oder Kondition; mit „Schwächling“ als Prädikat für uns selbst wären wir kaum glücklich. Auch wenn es flapsig gemeint sein mag, wirkt die Bezeichnung als „Schwachmat“ meistens verletzend. Schwäche, welche auch immer, ist kein positives Qualitätsmerkmal, sie disqualifiziert.

Wer dagegen stark ist, fit und fix mit Kopf und Hand, kommt schnell durch und nach vorne und wird anerkannt. Denn Leistung schafft Gewinn und erschließt neue Quellen. Leistungsträger setzen Trends, bestimmen Tempo und Richtung. Werden „Schwache“ demgegenüber nicht so gesehen, dass sie Verzögerungen verursachen, Kraft kosten und Entwicklungen behindern?

Aber wer ist stark? Wer schwach? Wer kann das definieren? In der Schule gibt es Noten, im Beruf Beurteilungen, im Sport Messwerte, im Zusammenleben Normen, die zu erfüllen sind. Wer darunter bleibt, ist schwach. Aber wie weit her ist es mit der Objektivität außerhalb mathematisch erfassbarer Werteskalen wie z. B. bei bestimmten Sportarten (10,0 Sekunden beim 100 Meter-Lauf sind eindeutig langsamer als 9,5 Sekunden)? Generationen von Personalsachverständigen haben sich den Kopf über brauchbare Beurteilungssysteme zerbrochen und tun dieses weiterhin.

Zu diesem uns vertrauten, kaum befriedigend lösbaren Problem kommt jetzt noch das Wort Jesu an Paulus dazu und stellt endgültig alles auf den Kopf:

Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.

Dieser Satz ist wohl eine Zumutung. Nicht nur, dass wir schon mit unserer Suche nach Kriterien, um „stark“ und „schwach“ auseinanderzuhalten, Schwierigkeiten haben. Jetzt sagt auch noch Jesus Christus von sich: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Kraft mächtig in Schwachen?!

Der Satz gilt einem, der in seiner Arbeit oft bis weit über seine Möglichkeiten hinaus gegangen ist, verfolgt und eingesperrt wurde, auf seinen Reisen Schiffbruch erlitt, missverstanden blieb, verfälscht und verleumdet wurde. Der die Erfahrung machte, bei aller persönlichen Stärke und erzielten Erfolgen ein schwacher, begrenzter, endlicher Mensch zu sein, der seine Ziele nur eingeschränkt oder manchmal gar nicht erreichte – dem Apostel Paulus.

Wenn ich mich von der Gegenläufigkeit dieses Satzes gegen den Mainstream nicht verstören lasse, kann sich Entlastendes eröffnen: Ich darf Grenzen haben, scheitern, nicht erfolgreich sein, merken, dass ich einer Situation nicht gewachsen bin. Und das heißt eben nicht, dass ich nichts bin oder dass mein Tun und Lassen nichts ist. Gott wirkt auch durch mich, wenn ich schwach bin, in meinen Grenzen. Ich darf auf ihn vertrauen, ihm meine Sache in die Hand geben. Ich darf nicht mehr weiterkönnen. In alter Sprache formuliert es der Kirchenlieddichter Paul Gerhardt kurz und bündig: „Bist du doch nicht Regente, der alles führen soll, Gott sitzt im Regimente und führet alles wohl.“

Das ist – natürlich - Ausdruck eines vertrauenden Glaubens. Wenn wir uns darauf einlassen, dann können wir Heilsames entdecken wie z. B., dass unsere Unterscheidungen von „stark“ und „schwach“ manchmal zu kurz greifen oder unbarmherzig sein können – auch uns selbst gegenüber. Wenn ich mir an dem genügen lasse, was ich an Möglichkeiten habe, dann darf ich jenseits dessen „schwach“ sein. Ich sitze – Gott sei Dank! – nicht im Regiment, modern: Ich bin – Gott sei Dank! – nicht für alles verantwortlich.

Für mich ist diese Jahreslosung in Zeiten steigender Anforderungen und hochverdichteter Arbeit eine heilsame Entlastung: Ich tue, was ich tun kann. Aber ich bin nicht allmächtig. So gesehen, darf ich tatsächlich „schwach“ sein aus Sicht unserer vermeintlich objektiven Kriterien. Damit, sagt Jesus mir und uns, ist allerdings gar nichts gesagt über den Blick Gottes auf dich. Gerade in denen, die so „schwach“ sind, ist Gott stark. Seine Maßstäbe sind nicht unsere – Gott sei Dank.

Frank Waterstraat

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Anfang Januar wird das Programm 2012 an die Dienststellen  verschickt. Fragen Sie doch dort einfach mal nach.

Ab sofort ist das Programm auch online, siehe unter "Fortbildung"