Die Jahreslosung 2020 aus dem Evangelium des Markus im 9. Kapitel, Vers 24 lautet:

 

Ich glaube, hilf meinem Unglauben!

 

Liebe Leserinnen und Leser,

 

der Losungstext ist Teil einer Geschichte, die in den Versen 17-24 steht (hier in der Übersetzung Martin Luthers):

 

Einer aber aus der Menge antwortete: Meister, ich habe meinen Sohn hergebracht zu dir, der hat einen sprachlosen Geist. Und wo er ihn erwischt, reißt er ihn; und er hat Schaum vor dem Mund und knirscht mit den Zähnen und wird starr. Und ich habe mit deinen Jüngern geredet, dass sie ihn austreiben sollen, und sie konnten's nicht. Er aber antwortete ihnen und sprach: O du ungläubiges Geschlecht, wie lange soll ich bei euch sein? Wie lange soll ich euch ertragen? Bringt ihn her zu mir! Und sie brachten ihn zu ihm. Und sogleich, als ihn der Geist sah, riss er ihn. Und er fiel auf die Erde, wälzte sich und hatte Schaum vor dem Mund. Und Jesus fragte seinen Vater: Wie lange ist's, dass ihm das widerfährt? Er sprach: Von Kind auf. Und oft hat er ihn ins Feuer und ins Wasser geworfen, dass er ihn umbrächte. Wenn du aber etwas kannst, so erbarme dich unser und hilf uns! Jesus aber sprach zu ihm: Du sagst: Wenn du kannst – alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt. Sogleich schrie der Vater des Kindes: Ich glaube; hilf meinem Unglauben! Als nun Jesus sah, dass das Volk herbeilief, bedrohte er den unreinen Geist und sprach zu ihm: Du sprachloser und tauber Geist, ich gebiete dir: Fahre von ihm aus und fahre nicht mehr in ihn hinein! Da schrie er und riss ihn sehr und fuhr aus. Und der Knabe lag da wie tot, sodass die Menge sagte: Er ist tot. Jesus aber ergriff ihn bei der Hand und richtete ihn auf, und er stand auf.

 

Es ist die Geschichte eines schwer kranken Kindes und dessen Vater. Er hat von den Heilungen Jesu und seiner Jünger gehört und erwartet nun alles für sein Kind.

Die Jünger scheitern beim Versuch einer Heilung und jetzt ruhen alle Hoffnungen des Mannes auf Jesus und er fleht ihn an: Wenn du etwas kannst, so erbarme dich unser und hilf uns! Jesus geht genau auf die Worte des Vaters ein: Du sagst: Wenn du kannst – alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt. Und dann dieser eine Satz, herausgeschrien vom verzweifelten Vater: Ich glaube, hilf meinem Unglauben!

 

Wer schon einmal in einer praktisch ausweglosen Situation war, kann den Mann verstehen. Vielleicht will man glauben an Rettung und Heil, man will es aus tiefster Seele und ganzem Herzen, aber kann es nicht. Erbetene und unerbetene Ratschläge helfen nicht weiter, Parallelen zu anderen, die es mindestens genau so schwer, wenn nicht schlimmer getroffen habe, auch nicht. Und vielleicht nagt Zweifel am Rest des Zutrauens, dass doch Hilfe möglich ist. Aber der Vater des Kindes belässt es nicht beim fehl geschlagenen Heilungsversuch der Jünger, er geht direkt auf Jesus selbst zu. Und schreit heraus, was in ihm ist. Streng genommen ist es ein Widerspruch in sich: Ich glaube – hilf meinem Unglauben. Er setzt alles auf eine Karte und vertraut Jesus und seiner Barmherzigkeit. Entgegen seiner Verzweiflung, seinem Un-Glauben schreit er: Ich glaube. Es ist wie ein Sprung auf Hoffnung hin in die Arme eines Rettenden, Heilenden. Und Jesus beginnt keine Diskussion, in der er auf die Widersprüchlichkeit des Satzes hinwiese. Er handelt und heilt.

 

Für mich ist das Trost in eigenen Zweifeln. Hier ist kein Glaubens“held“, der keine Anfechtung kennt, sondern ein Mensch, der sehr nachvollziehbar verzweifelt ist. Und der mit allen seinen Sorgen und seinem Ringen zu Jesus kommt und Hilfe findet. Ich darf unsicher sein, Fragen und Ängste und sogar das Gefühl haben, gar nicht zu glauben, ungläubig zu sein. Ich muss gewissermaßen nicht zu Ende geglaubt haben und darin, wie in einer fachlichen Disziplin, hochqualifiziert sein. Ich darf herausschreien, was mich quält und den Sprung wagen. Das Paradox muss nicht ich auflösen. Ich darf darauf vertrauen, dass ich so bei Jesus gut aufgehoben bin. Unfertig und vielleicht nur noch zu einem Satz in der Lage.

 

Mit herzlichen Segenswünschen vom gesamten Team des Kirchlichen Dienstes in Polizei und Zoll

 

Frank Waterstraat, Pastor

Studienreise nach Alaska mit Teilnahme an der Konferenz der IAWP

- einen Erfahungsbericht können Sie hier sehen.

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