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Liebe Leserinnen und Leser!

 

 

„Wie war dein Dienst?“

Es tut gut, wenn jemand einen fragt, wie es war. Wie es einem geht. Was man erlebt hat. Es tut gut, ´mal erzählen zu können. Und ganz besonders, sich Belastendes von der Seele zu reden.

 

Aber im Polizeidienst fragt man sich mit Fug und Recht gleichzeitig, was kann ich eigentlich erzählen? Wem kann ich was erzählen?

 

Denn ich bin schon bald im Gespräch über dienstliche Dinge dort angekommen, wo sich auch die Frage der Verschwiegenheitspflicht stellt. Bei all dem, was einem in Dienst widerfahren ist, was Opfer von Straftaten erleiden mussten, wie es Kolleginnen und Kollegen ergangen ist, ist bald eine Vertraulichkeitsgrenze erreicht – aber das Belastende reicht darüber hinaus. 

Es gibt die Einschätzung, dass Menschen im Polizeidienst all diese Belastungen schon aushalten. Die gute Ausbildung, die Fülle an Einsatzerfahrungen schaffe einem ein Schutzschild, ein dickes Fell, an dem alles abperlen könne. Vielleicht ein bisschen so wie bei einem Maurer, der immer mehr Hornhaut entwickelt, je mehr er mit rauen Arbeitsstoffen zu tun hat. Doch wer Erfahrung mit Hornhaut hat, würde vermutlich auch sagen, dass sie nur an bestimmten Stellen entsteht und dass sie obendrein rissig werden kann, gerade bei beständigem Kontakt mit allem Rauen.

 

Vielen gelingt es, gerade Letzteres im Blick zu haben. Wie gut, denn es ermöglicht einem zu sehen, dass Polizistinnen und Polizisten Menschen in Uniform sind. Menschen, die viel Belastendes erleben. Und die wie jeder Mensch die Möglichkeit brauchen, gerade dies thematisieren zu können - in aller dienstlichen Verschwiegenheit. Ohne das Siegel, das auf allem liegt, zu brechen.

Wie kann das gelingen?

Eine Möglichkeit stellt die Polizeiseelsorge zur Verfügung. Ihre Amtsverschwiegenheit ermöglicht die Unverbrüchlichkeit des Anvertrauten. Sie stellt dafür sogar ein doppeltes Siegel zur Verfügung.

 

Ein Siegel, das in STPO und ZPO juristisch bewehrt ist. Im Sinne des Zeugnisverweigerungsrechts für Geistliche hinsichtlich des ihnen Anvertrauten. Was in der Seelsorge anvertraut wurde, das dringt selbst vor Gericht nicht nach außen.

 

Und ein weiteres Siegel, dem sich z.B. evangelische Pfarrerinnen und Pfarrer in ihrer Ordination (polizeiliche Kolleginnen und Kollegen denken dabei oft an ihre eigene Vereidigung) verpflichtet haben: Dem Siegel, das ihnen Anvertraute unverbrüchlich zu wahren.

In der Bibel gibt es einen Vers für diesen Monat Juni, der vieles davon in eine schöne Sprache fasst. Dort im Hohelied heißt es:

Lege mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel auf deinen Arm. Denn Liebe ist stark wie Tod. (Kapitel 8, Vers 6)

 

Wer in der Polizeiseelsorge das vertrauliche Gespräch sucht, der darf darauf vertrauen, dass sich das Gegenüber diese Siegel auferlegt hat. Und diese eben auch aus Liebe zum anvertrauten Menschen wahrt.

 

Ihr

 

Polizeiseelsorger Maic Zielke

Hier gibt es die Info über die anstehende Studienreise nach Canada im Sept.2022

Neben den Seminaren bieten wir weitere Veranstaltungen, sowie vertrauliche Gespräche zu persönlichen und dienstlichen Themen an. Sprechen Sie uns an und wir vereinbaren gerne einen Termin bei uns oder einem anderen neutralen Ort.

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