Foto: H.Rohdenburg
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Pastor Frank Waterstraat

 

Gedanken zur Jahreslosung 2019

 

„Suche Frieden und jage ihm nach!“ (Psalm 34,15)

 

Das Wort Frieden begegnet uns häufig. Um Frieden wird im Nahen Osten, in der Ukraine, in den Krisenregionen Afrikas und anderswo gerungen. Überall mühen sich Menschen um Frieden, teilweise auf höchstem Niveau, beauftragt von der Weltgemeinschaft. Und genauso oft scheitern diese Bemühungen, oder, wenn ein Konflikt mühsam beigelegt ist, flammt woanders ein neuer auf. Frieden ist ein fragiles Gut, mancher Hass glimmt selbst unter der Oberfläche funktionierender Staatswesen weiter – denken Sie an den Bürgerkrieg im ehemaligen Jugoslawien nach Titos Tod. Nicht nur Staaten oder Völker haben mit Unfrieden zu kämpfen, auch überschaubare menschliche Gemeinschaften wie Betriebe, Dienststellen, Familien oder Nachbarschaften: „Es kann der frömmste nicht in Frieden bleiben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt“, dichtet Friedrich Schiller in seinem „Wilhelm Tell“. Nicht der beste Teil der Medien schlachtet solche und andere Streitigkeiten weidlich aus und Gerichte sind bis zum Übermaß mit ihnen beschäftigt. Unfrieden kann das individuelle Leben vergiften, z. B. wenn eine Beziehung zerbricht und aus Liebe Feindschaft wird. Und last but not least ist es möglich, mit sich selbst nicht im Reinen zu sein, einen quälenden Unfrieden in der eigenen Seele mit sich zu tragen. Der Kirchenvater Augustin bringt es auf den Punkt: Unser Herz ist unruhig, bis es in Dir, Gott, ruht.

 

Und trotz allem – oder gerade deshalb? - ist das Thema äußerst präsent. Die evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat einen Friedensbeauftragten, genau wie die evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers. Nach wie vor ist die Friedensbewegung aktiv und immer wieder gehen Menschen gegen Krieg und Gewalt auf die Straße. Ein uralter christlicher Gruß lautet „Friede sei mit dir“, mit dem Friedenszuspruch schließt der Segen im Gottesdienst. Hinter allem verbirgt sich eine große Sehnsucht. Wer die Abwesenheit von Frieden am eigenen Leib – vielleicht im Wortsinn – erfahren hat, weiß, welche lebenszerstörenden Folgen daraus erwachsen können. Er oder sie weiß, welchen Schaden Menschen in heillos unfriedlichen Lebenszusammenhängen, die keineswegs auf der Ebene eines Krieges angesiedelt sein müssen, sondern sich in den eigenen vier Wänden abspielen können, nehmen.

 

Was tun? Die vollmundige Forderung oder das laute Lamentieren bringen nichts, wenn sie keine tatsächliche Wirkung auf die Situation oder die Akteure haben. Das zeigt anschaulich das Verhalten von Diktatoren oder auch von Konfliktparteien in unserem eigenen Umfeld. die bis zum Äußersten gehen.

 

Mein konkreter Zugang zum Thema Frieden beginnt bei mir selbst. Wenn ich Unfrieden in mir trage, kann ich keinen Frieden stiften. Ich sollte mit mir im Reinen sein, bevor ich beanspruche, andere auch dorthin zu bringen. In mir und mit mir selbst sollte ich zuallererst Frieden suchen. Das kann eine Aufgabe durch die Lebensalter hindurch sein. Den Frieden mit sich selbst zu suchen, ihm regelrecht nachzujagen, ist Basis einen guten eigenen Lebens und der friedensstiftenden Arbeit für andere. Manchmal kann es mühsamer sein, den eigenen Frieden – vielleicht wieder – herzustellen als den der anderen. Aber Nachdenken, Lösungen suchen für offene Fragen, beten, aktiv am Guten arbeiten, sich beraten lassen und austauschen mit Menschen des eigenen Vertrauens, wären gute Wege. Ich weiß, wie beschwerlich solche Wege sein können. Aber sie bieten ein lohnendes, gutes Ziel. Von dort aus kann der Blick auf die gehen, die im Unfrieden sind und Hilfe brauchen. Wenn jede und jeder von uns im eigenen Lebenskreis so wirken könnte, wäre unserer Welt schon ein wenig geholfen. Solchem Tun gilt die Verheißung der Bergpredigt im Matthäus-Evangelium: „Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ (Matthäus5, 9).

 

Neben den Seminaren bieten wir weitere Veranstaltungen, sowie vertrauliche Gespräche zu persönlichen und dienstlichen Themen an. Sprechen Sie uns an und wir vereinbaren gerne einen Termin bei uns oder einem anderen neutralen Ort.

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