Foto: Kullik
Foto: Kullik

 

 

 

Lieber Leser, liebe Leserin,

 

 

während eines Sprachaufenthaltes in Italien hatten wir als Thema im Unterricht die Frage nach den beliebtesten Urlaubszielen der Italiener und Deutschen. Die Italiener bleiben gerne auch im Lande und suchen Unterhaltung und Abkühlung am Strand. Oder sie reisen dorthin, wo sie mit der Natur in Berührung kommen und regionale Feste erleben können – gerne auch mit Landsleuten. Zu uns Deutschen fiel mir die Vorliebe für „Malle“ ein, die Begeisterung für Skandinavien genauso wie Städtereisen. Gemeinsam sind uns Traumziele wie New York oder die Malediven.

 

 

 Ich hingegen bin ein Reisemuffel. Einen Tag vor der Abreise oder beim Kofferpacken wollen Sie mich nicht mehr um sich haben. Die einzige Ausnahme ist, wenn ich lernen darf. Ein Sprachkurs im Ausland, eine Fortbildung zu einem Thema, das mich begeistert – da bin ich dabei. Die Bedürfnisse sind unterschiedlich, nicht nur zwischen den Menschen unterschiedlicher Nationalitäten, sondern auch zwischen einzelnen. Der eine braucht Entspannung, die er am Strand unter der Sonne zu finden meint, die andere will „endlich mal“ hier oder dort hin oder sucht gezielt das Abenteuer. Damit der Urlaub auch wirklich Urlaub wird, sprich, wir uns im Nachhinein gut fühlen, ist es wichtig, zunächst einmal die Bedürfnisse zu klären. Der Handelsreisende will vielleicht nicht gleich wieder auf die Autobahn, sondern einmal in Ruhe zu Hause sein und bleiben. Wer immer nur mit Haushalt und Kindern beschäftigt ist, möchte vielleicht raus und auch Zeit für sich selbst haben, herunterfahren.

 

Beim Besuch der alten Stadt Dolceacqua in Ligurien stieß ich auf die Gasse, die auf dem Bild zu sehen ist. Im Rahmen eines Kunstprojektes hatte jemand unzählige schneeweiße Schirme über eine enge Gasse gehängt. Für mich gewann der Raum unvermittelt eine Leichtigkeit und eine Helligkeit, die mich an Segen erinnerten. Ich selbst fühlte mich plötzlich leichter. Und da wurde mir auch deutlich, was ich im Urlaub brauche: das vorübergehende Kappen aller Leitungen. Kein Telefonieren oder Chatten, auch nicht mit Freunden, keinen Mail-Verkehr, kein Fernsehen, keine Tagesschau aus der Heimat. Alles das, was mich im Alltag hält und beschwert, möchte ich für eine Weile hinter mir lassen. Vielleicht setzen sich die Menschen deshalb im Urlaub so gerne mal in eine alte Kirche. Vielleicht lerne ich deshalb so gerne im Urlaub: es kommt Neues, Frisches, Ungewohntes, das mir hilft, mich selbst neu zu erleben und kennenzulernen.

 

Ich wünsche Ihnen eine schöne Urlaubszeit, egal, wo Sie sie verleben. Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich selbst ein Stück näherkommen, wiederfinden. Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich gut fühlen und am Ende gerüstet sind für die Aufgaben, die sich Ihnen bestimmt wieder stellen werden. Ich wünsche Ihnen die Leichtigkeit und das Licht des Segens – mögen Sie eben diese finden und im Nachhinein in Ihren Alltag einbringen können.

 

Axel Kullik

 

Seelsorger in der PD Oldenburg und in der Region Ostfriesland

 

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