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Zeitungspapier

 

Lieber Leser, liebe Leserin,

 

 

vor kurzem saßen wir beim Frühstück in der Polizeiakademie zusammen und das Thema kam auf Advents- und Weihnachtstraditionen. Und – ganz ungewöhnlich für die moderne Zeit – alle sagten Ja! „Ja, wir sind Weihnachten mit der Familie zusammen, zu Hause natürlich.“ „Ja, ich mache und bekomme gerne Geschenke.“ Am Nachmittag traf ich dann noch eine Frau, die sagte, dass auch selbstgemachter Adventsschmuck einfach dazugehöre.

Im Laufe des Tages erinnerte ich mich, dass es etwas gibt, das für uns zur Vorbereitung auf Weihnachten dazugehört, das ich schon als Kind kannte, das von meinen Kindern sogar schon eingeklagt wurde: Zeitungspapier.

 Als Kinder haben wir einen Tag vor Weihnachten mit unserem Vater zusammen den Weihnachtsbaum geschmückt. Am nächsten Tag dann war die Wohnzimmertür abgeschlossen und die Scheibe in der Tür mit Zeitungspapier abgeklebt – als Schutz vor allzu neugierigen Blicken. Diese Tradition haben meine Frau und ich übernommen. Ich schmücke einen Tag vor Heiligabend den Weihnachtsbaum – allein, denn die Kinder möchten sich überraschen lassen – und klebe vorher die Scheibe in der Wohnzimmertür mit Zeitungspapier ab. Danach ist sie verschlossen.

 Vor zwei Jahren wollte ich es besondern fein machen und habe statt Zeitungspapier Blankopapier genommen. Das gab einen Protest von unseren beiden, mittlerweile erwachsenen Kindern: „Das ist nicht Weihnachten – zu Weihnachten gehört Zeitungspapier hinter der Scheibe!“ Seit dem vergangenen Jahr mache ich es also wieder richtig, so, wie es sich gehört: Unsere Tageszeitung muss dran glauben.

 Dieses Zeitungspapier ist mir ein schönes Bild für Advent und Weihnachten überhaupt. Die Weihnachtsstube steht ja für das, was die Menschen von jeher erwartet haben: Freude und Zeichen von Liebe und Wertschätzung – aus biblischer Sicht Liebe und Wertschätzung von Gott den Menschen gegenüber und darüber hinaus von Mensch zu Mensch selbst. An Weihnachten soll einmal das Leben aufleuchten, wie die Menschen es sich wünschen und trotz aller anderslautenden Erfahrungen im Alltag vorstellen können. Diese abweichenden Erfahrungen im Alltag werden durch das Zeitungspapier symbolisiert. Wir vertrauen darauf, dass hinter der Tür etwas Schönes auf uns wartet, sehen zunächst aber die täglichen Nachrichten. Sie erzählen von den Bemühungen der Menschen, eine Gesellschaft zu organisieren – und das möglichst gerecht und praktikabel. Sie erzählen in den Familienanzeigen vom Geborenwerden, Leben und Sterben der Menschen neben uns. Sie erzählen von Erfahrungen von Leid, Unrecht und Gewalt im Großen und Kleinen – Erfahrungen, die dann in Form von Vorgängen bei Polizei und Zoll auf den Schreibtischen landen. Und manches Mal steht die Zeitung auch auf dem Kopf oder klebt hinter einer Scheibe aus Struktur- oder Milchglas. Dann verstehen wir nicht, um was es geht; dann bleibt uns der Sinn der Meldungen verborgen. Dann bleibt nur das „Warum?“ Und doch harren wir aus, weil wir wissen: Dahinter sieht es anders aus. Dahinter ist auch Freude, ganz einfache und kindliche Freude zu finden – und sei es nur für ein paar Stunden.

 Spiegelt sich darin nicht auch der Dienst in der Polizei und im Zoll wieder? Gehen die Beamten und Beamtinnen nicht jeden Tag auf die Dienststelle und befassen sich mit diesen negativen und manchmal unsinnig erscheinenden Seiten des Lebens vor Ort, weil Sie ahnen oder sogar wissen, dass es auch anders sein kann, weil sie den Menschen zeigen möchten, dass sich hinter dem Leid und Unrecht ein Leben verbirgt, für das sich zu engagieren lohnt, für das Sie sich tagtäglich engagieren? Ich weiß, dass dieses Bemühen von den Menschen wahrgenommen wird. Vor einigen Wochen waren die Oldenburger Pastoren und Pastorinnen in der Polizeiakademie zu Gast. Einen Tag vor der Veranstaltung bekam ich eine E-Mail, in der eine Kollegin schrieb: „Ich freue mich sehr auf die Begegnung mit der Polizei! Die polizeiliche Begleitung der Demonstration am vergangenen Samstag (gemeint waren der AfD-Parteitag und die Gegendemonstration in Oldenburg) hat mich einmal mehr beeindruckt und dankbar gemacht, dass wir so eine Polizei haben in unserm Land.“

 Wenn die Zeit knapp wird, versuchen wir, uns auf das Wesentliche, auf das für uns wirklich Wichtige zu besinnen – das gilt für die Arbeit unter Zeitdruck wie für das Leben als solches. Die Zeit wird jetzt bis zum Ende des Jahres immer weniger. Es ist eine Einladung an uns, uns darauf zu besinnen, was uns am und im Leben wirklich wichtig ist, warum wir eine Aufgabe einmal übernommen haben und was wir an Gutem und Sinnvollem für die Gesellschaft, für die Menschen um uns herum tun können. Advent, Weihnachten und die Zeit zwischen den Jahren ist geschenkte Zeit dafür.

 

Ich danke allen Menschen in Polizei und Zoll für Ihren Dienst, für das Advent- und Weihnachtliche, das sie das ganze Jahr an uns verschenken. Auch ich bin dankbar dafür, dass wir solche Institutionen haben in unserem Land.

 

Ich wünsche Ihnen allen eine gesegnete Adventszeit!

 

Axel Kullik, Seelsorger in der PD Oldenburg und der Region Ostfriesland

 

 

 

 

20.09. - 29.09.2019

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-Mit Besuch der Konferenz IAWP-

 

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