Die Welt mit anderen Augen sehen
Ich hatte die Gelegenheit, einen japanischen Austauschschüler bei schönstem Frühlingswetter durch Hannover zu begleiten. Es war ein spannendes Erlebnis, denn plötzlich sieht man die eigene Stadt mit ganz anderen Augen. Dinge, an denen man im Alltag achtlos vorbeiläuft, erscheinen auf einmal interessant und erklärenswert. So war zum Beispiel die große Polizeipräsenz bei dem heimischen Fußballspiel von Hannover 96 für ihn sehr überraschend und kaum nachvollziehbar. Umso faszinierter war er, als er zum ersten Mal in seinem Leben eine Reiterstaffel der Polizei sah – etwas, das es in Japan so nicht gibt.
Im weiteren Verlauf des Tages gerieten wir zufällig in ein „Bark Date“, ein Kennenlern-Event für Hunde aus dem Tierschutz. Außerdem wurden wir Zeugen eines Heiratsantrags im Georgengarten und wir haben die Schaukästen vom Stadtbild Hannovers im Neuen Rathaus angeschaut. Es gibt vier Schaukästen, die den Stadtkern von Hannover in den unterschiedlichen Jahren darstellen (1689/1939/1945/Gegenwart). Besonders die beiden Schaukästen von 1939 und 1945 regen gerade in der heutigen Zeit sehr zum Nachdenken an, da hier das Ausmaß der Zerstörung durch den 2. Weltkrieg sichtbar wird. Um auf andere Gedanken zu kommen, war das abschließende Highlight dieses schönen Tages dann eine Tretboottour auf dem Maschsee.
Auch ich habe die Stadt dadurch mit anderen Augen gesehen. Es war ein schönes Gefühl, sich ohne Zeitdruck und Zielvorgabe durch den Tag treiben zu lassen, im Vertrauten Neues zu entdecken und die vielen Eindrücke und besonderen Momente wahrzunehmen und diesen Tag mit Dankbarkeit enden zu lassen. Mein Fazit: Es sind nicht immer die großen Dinge, die wir erleben, die Spuren und Eindrücke hinterlassen. Durch Achtsamkeit, Entschleunigung und Perspektivwechsel können wir auch in unserer vertrauten Umgebung so viele besondere Dinge sehen und erleben, sodass mir am Ende nur zu sagen bleibt … es war eine tolle Erfahrung, die Welt mit anderen Augen zu sehen, das sollte man ruhig öfter mal tun.